Tabakladen
(Auszüge)

Ich bin nichts.
Ich werde nie etwas sein.
Ich kann nicht einmal etwas sein wollen.
Abgesehn davon, trage ich in mir alle Träume der Welt.

[...]

Ich bin heut' fassungslos wie jemand, der dachte und fand und vergaß.
Ich teile mich heut' in die Treue, die ich
dem Tabakladen der anderen Straßenseite als äußerer Wirklichkeit schulde,
und die Empfindung, daß alles nur Traum ist, als innere Wirklichkeit.

[...]

Doch der Besitzer des Tabakladens trat an die Tür und blieb an der Tür.
Ich betrachte ihn mit dem Unbehagen des schräg gedrehten Kopfes
und mit dem Unbehagen der mißverstehenden Seele.
Er wird sterben, und ich werde sterben.
Er wird das Ladenschild hinterlassen, und ich hinterlasse Verse.
Irgendwann verrotten dann das Ladenschild und auch die Verse.
Nach einiger Zeit stirbt die Straße, in der das Ladenschild hing,
und die Sprache, in der die Verse geschrieben wurden.
Später stirbt dann der kreisende Planet, auf dem sich dies alles zutrug.
Auf anderen Satelliten anderer Sternsysteme werden menschenähnliche Wesen
fortfahren, solche Dinge wie Verse zu machen und unter Dingen wie
                                                    Ladenschildern zu leben,
immer das eine dem anderen gegenüber,
immer das eine so nutzlos wie das andere,
das Unmögliche immer so töricht wie das Reale,
das Geheimnis am Grunde immer so sicher wie der Geheimnisschlaf
                                                    an der Oberfläche,
immer dies oder anderes oder weder dies noch das andere.

 

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