Auf das Grab von Christian Rosenkreutz
(Auszüge)

I

Wenn wir, erwacht aus diesem Schlaf, dem Leben,
einst wissen, was wir sind und was dies hieß:
Der Sturz zum Leib hin, dieses Abwärtsschweben
in Nacht, die uns're Seele finster ließ,

werden wir dann den Wahrheitsschleier heben
von allem, was da ist und fließt? Nein, dies
ist auch der freien Seele nicht gegeben.
Selbst Gott nicht, der uns in die Welt entließ.

Mensch eines größ'ren Gottes und nicht mehr,
ist Gott, der höchste Adam, selbst gefallen;
so wie er unser Schöpfer war, ward er

erschaffen, Wahrheit ist für ihn verfallen.
Was ihm der Abgrund drüben vorenthält,
unfindbar bleibt's in seinem Leib, der Welt.

III

Hier irren wir im Trugbereich umher.
Wir schlafen, was wir sind, und sehn vom Wahren,
selbst wenn wir endlich träumend es gewahren,
weil träumend, nur den falschen Schein, nicht mehr.

[...]

Wer führt uns aus der Seele engem Haus?
Wir lauschen aus dem Seinsgemach hinaus.
Doch wie wird hier die Pforte aufgerissen?
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Im falschen Tod still vor uns aufgebahrt,
geschlossnes Buch an seiner Brust verwahrt,
verschweigt uns Vater Rosenkreutz sein Wissen.

 

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