Meeres-Ode
(Auszüge)

Ganz einsam, am verlassenen Kai, an diesem Sommermorgen
schau ich hinaus zur Reede, schau ins Grenzenlose,
schau und ergötze mich am Anblick
eines Postschiffs, klein und schwarz und hell, das eben einfährt.
Weit draußen kommt es, glänzend, klassisch auf seine Weise.
Läßt in der fernen Luft den nichtigen Saum seines Rauchs zurück.
Es kommt heran, und mit ihm kommt der Morgen: auf dem Flusse
erwacht schon hüben und drüben das Seemannsleben,
heben sich Segel, fahren Schlepper aus,
tauchen Barkassen auf hinter den Schiffen im Hafen.
Es weht eine schwache Brise.
Doch meine Seele ist dort, wo mein Auge kaum hinreicht,
beim einfahrenden Postschiff:
denn bei ihm ist die Ferne, ist der Morgen,
ist der Meeressinn dieser Stunde,
ist all die schmerzliche Süße, die in mir aufsteigt wie ein Unwohlsein,
wie ein Auftakt zur Seekrankheit - im Geiste.
Von weitem schau ich das Postschiff, große Freiheit in der Seele,
und in mir hebt ein Steuerrad zu kreisen an.

[...]

Meuternde Seeleute
hängten den Kapitän an der Rahe auf.
Setzten einen andern auf einem einsamen Eiland aus.
Marooned!
Tropensonne spritzte das Fieber der alten Seeräuberei
in meine brennenden Adern.
Patagoniens Winde tätowierten meine Phantasie
mit tragischen und obszönen Bildern.
Feuer, Feuer, Feuer in mir!
Blut! Blut! Blut! Blut!
Mein ganzes Gehirn zerbirst!
Die Welt zerbricht mir in rot!
Meine Adern reißen mit dem Geknirsch von Ankertauen!
Und aus mir bricht wüst und verschlingend
das Lied des Großen Piraten,
der brüllende Tod des Piraten singt,
bis Entsetzen das Rückgrat der Männer herabschleicht.
Dort auf dem Heck, da stirbt man, grölt man und singt:
          Fifteen men on the Dead Man's Chest.
          Yo-ho-ho and a bottle of rum!

 

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