Botschaft

Erster Teil - Wappen
II Die Burgen

DIE ZWEITE - VIRIATUS

Wenn die Seele den eigenen Auftrag erkennt,
nur weil sie erinnert, was längst zerronnen,
ist uns als Volk zu leben vergönnt,
weil wir uns deines Wollens entsonnen.

Nation, weil du kamst ein weiteres Mal,
Volk, weil für uns du wiedererstanden,
du und dein Freiheitsideal -
nur so ist Portugal entstanden.

Du bist der auserwählte Mann
des kühlen morgendlichen Lichts,
und zeigst doch schon den Tag uns an
in früh'ster Stunde wirrem Nichts.

DIE FÜNFTE - DOM AFONSO HENRIQUES

Du warst ein Ritter, Vater.
Wir halten heute Wacht.
Sei Vorbild und Berater
mit deiner vollen Macht.

Den neuen Heiden sei's verwehrt,
Hoffnung auf Sieg zu hegen!
Gib uns den Segen als Schwert,
das Schwert als Segen!

Zweiter Teil - Portugiesisches Meer
VIII Fernão de Magalhões

Im Tal ein Scheiterhaufen brennt.
Ein Tanz bewegt der Erde Fundament.
Gestaltlos aufgelöste Schemen
bei schwarzem Lichtglanz sich im Tal verbinden
und ihren Weg hangaufwärts nehmen,
wo sie in Finsternis verschwinden.

Wer tanzt dort und erschreckt die Nacht?
Titanen, von der Erde hochgebracht;
dem Tod des Seemanns gilt ihr Tanz,
der Mutter Welt umspannen wollte,
als erster Mensch umspannen ganz -
und nun am Strand sein Grabmal finden sollte.

Sie tanzen und, vom Wagemut gedrängt,
des Toten Seele die Armada lenkt;
sie ahnen nicht, daß dieser Steuermann
im Tod noch Kurs aufs Unbekannte hält:
Abwesend führt er das Geschwader an
und schlingt die Arme um die ganze Welt.

Er hat die Erde vergewaltigt. Sie
aber tanzen und erfahren's nie;
und die gestaltlos aufgelösten Schemen
sieht man am Horizont entspringen
und ihren Weg hangaufwärts nehmen,
wo sie sich über stumme Berge schwingen.

X Portugiesisches Meer

O salzige Flut, wieviel von deinem Salz
sind Tränen Portugals!
Dich zu befahren, weinten Mütter,
klang Kinderbeten klagebitter;
wie viele Brautgemächer blieben leer,
auf daß du unser seist, o Meer!

Lohnt' es die Müh'? Die Müh' ist nie verloren,
wenn nur die Seele groß geboren.
Willst du Kap Bojador bezwingen,
mußt du den Schmerz erst niederringen.
Gott schloß das Meer mit Abgrundsiegeln
und ließ es doch den ganzen Himmel spiegeln.

Dritter Teil - Der Verhüllte
I Die Symbole

ERSTES - KÖNIG SEBASTIAN

Harrt aus! Ich fiel am Strand zur Unglücksstunde,
die Gott den Seinen zuerkennt
für Zwischenzeiten, wenn mit Gott im Bunde
in Träumen uns're Seele brennt.

Was, wenn mich Gott in seinen Schutz erhebt,
vermögen Tod und Mißgeschick?
Nur der, den ich mich träumte, überlebt,
als Solcher kehre ich zurück.

ZWEITES - DAS FÜNFTE REICH

Elend, wer immer zu Hause lebt,
mit seiner Heimstatt zufrieden,
keine Träume träumt, keine Schwinge hebt,
das Feuer zu fachen, bei dem er strebt
fort aus des Herdfeuers Frieden.

Elend, wer immer im Glück!
Er lebt, weil ihm Leben gegeben.
In seine Seele ruft das Geschick
uralte Lehre zurück:
ein Grab ist das Leben.

Eine Epoche die nächste bedrängt
in der Zeit, die nach Zeitaltern mißt.
Dem Menschen ist Ungenügen verhängt.
Die Kräfte in uns - sie werden gelenkt
von der Seele inn'rer Vision!

Und so, nachdem die vier Zeiten
ihres erträumten Seins verronnen,
wird sich die Welt zum Theater weiten
des hellen Tages, der im geweihten
Vorraum einsamer Nacht begonnen.

Griechenland, Rom und Christenheit,
Europa - versunken, verdorben,
dort, wo verronnen jegliche Zeit.
Wer ist für das wahre Leben bereit,
für das Dom Sebastian gestorben?

III Die Zeiten

DIE FÜNFTE - NEBEL

Nicht König noch Gesetz, nicht Krieg noch Frieden
verleihen eigenes Profil und Sein
dem matten Dämmerschein,
der dem verzagten Portugal geblieben -
Glanz ohne Glut und wenig rühmlich,
wie er dem Irrlicht eigentümlich.

Niemand weiß, was er wirklich will.
Niemand kennt seinen eigenen Mut,
weiß nicht, was böse ist, was gut.
(Welch fernes Sehnen weint ganz nah?)
Alles ist ungewiß und spät die Zeit,
Nichts ist mehr ganz, und alles ist zerstreut.
O Portugal! Heut' nur ein Nebelreich...

Die Stunde kam!

 

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